THS in der Charité Berlin

Ablauf einer THS-Operation in der Charité Berlin
Vortrag von Frau Dr. med. Faust, Neurochirurgin, Oberärztin Charité Berlin, zum Thema
THS-OP zur Behandlung einer GPI -Dystonie
Die Neurochirurgin Dr. Faust begann ihren Vortrag mit einer kleinen Zeitreise: schon die
Römer haben seinerzeit bereits festgestellt, dass Stromeinflüsse Einfluss auf den Ablauf
verschiedener Krankheiten haben können. So wurden bereits vor vielen Jahren z.B.
Epilepsien mit Strom medizinisch beeinflusst und mittlerweile ist der Einsatz von
Stromflüssen auch bei der Behandlung von Dystonie ein stetig an Bedeutung wachsende
Behandlungsmethode. Erkrankungen, wie fokale, zervikale und generalisierte
Dystonien, bei denen die Therapie durch Botulinumtoxin keine Erfolge ergeben, seien
dabei die klassischen Anwendungsbereiche für eine THS-Implantation, da die Muskeln
auf Strom sehr gut ansprechen.
Es sei eine weitreichende und sensible Entscheidung jedes Patienten, ob die THS die
richtige Behandlungsmethode ist, da im Gehirn u.a. Emotionen und Charakter verankert
sind. Dies müssten auch Eltern sorgfältig entscheiden von betroffenen Kindern
entscheiden, bei denen die Operation grundsätzlich auch bereits möglich ist. In der
Charité werden allerdings nur Kinder ab ca. 5 – 6 Jahren operiert. Die Technik schreite
immer weiter voran und es sei im Gespräch, dass die THS sich zu einer Größe eines
Chips hin entwickele. Kinder könnten davon sehr gut profitieren und früh von den
Symptomen der Dystonie befreit werden.
Der Erfolg der Implantierung hänge meist vom Krankheitsverlauf ab, wobei genetische
Formen insgesamt besser abschneiden. Die Operationen gelingen bei primären
Dystonien meist erfolgreicher als bei den sekundären Dystonien, wie beispielsweise
nach einem Schlaganfall.
Insgesamt verhelfe eine realistische Einstellung zu besseren Ergebnissen und mehr
Zufriedenheit der Patienten. Die Operation sei mit viel Nachbetreuung und
umfangreichen Einstellungen nach der Implantation verbunden. Und auch die
Implantation selbst sei sehr einschneidend. Dabei wird Strom in die tieferen Areale des
Gehirns geleitet mittels spezieller stereotaktischen Operationsmethoden. Die leitenden
Drähte werden unter der Haut platziert. Aus hygiensichen Gründen entferne man in
Berlin das komplette Kopfhaar vor der Operation. Die Operationen werden unter
mehreren Bildgebungen und Messungen vorgenommen. In der Charité nähme man
zudem die Implantationen der Kontakte (Elektroden) und der Aggregate in zwei
verschiedenen Operationen vor, um erst durch ein MRT zu prüfen, ob die Kontakte
richtig sitzen. Danach werde die zweite OP mit der Verbindung zum Aggregat
stattfinden. Bei Kinder werden hiervon zum Teil Ausnahmen gemacht. Die
Vorgehensweise werde aber stets vorab sorgfältig mit dem Patienten besprochen.
Zum Verständnis der Wirkung der Behandlung sei insgesamt die Kenntnis von drei
Prinzipien hilfreich: Das erste Prinzip ist die bereits erläuterte Wirkung des elektrischen
Stroms auf das Gehirn. Das zweite Prinzip ist das Verständnis, wie Bewegungen
überhaupt entstehen - bei der Erkrankung Dystonie sei der GPI (Globus Pallidus
internus) das verantwortliche Gebiet für die überaktiven Muskelbewegungen. Das dritte
Prinzip ist das mathematische Konzept der Stereotaxie. Das mathematische Konzept
erklärt sich durch die Nervenzellen, die durch den elektrischen Strom kommunizieren.
Das Prinzip der Implantation sei es zusammenfassend, die gestörten Funktionen des
Gehirns durch Strom zu korrigieren. Sobald der Strom ausgeschaltet ist, seien in der

Regel die Symptome wieder da. Die Operation ist reversibel Es bleibt nichts permanent
vorhanden, wie zum Beispiel bei Läsionen.

Protokoll für Patienten von Patienten
Ulrike Halsch